Bolawolon, 09. April 2014

Lieber Pastor Andreas Schottek,

Liebe Schwestern und Brüder in der Heimat!

 

Ja, wir nähern uns schon mit „Riesenschritten“ Ostern, dem Fest der Auferstehung unseres Herrn, dem litugischen Höhepunkt im Kirchenjahr.

 

Am Sonntag beginnt die heilige Woche, die Karwoche. Es ist jetzt die letzte Woche im Leben unseres Herrn Jesus. Die liturgischen Feiern am Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag sind deutliches Zeugnis der Liebe und Zuwendung Gottes in seinem Sohn Jesus Christus zu uns.

 

In meiner Pfarrei Bolawolon üben schon seit Wochen die einzelnen Basisgruppen, um all diese liturgischen Feiern mit Chor und Gesang würdig zu gestalten.

 

Ich selbst besuche noch zur Zeit alle Schulen und Dörfer um die Schulkinder, Jugendliche und Erwachsene durch Bussandacht und persönlicher Beichte auf das Osterfest vorzubereiten. Wenn auch etwa 500 Gläubige das Busssakrament empfangen, so ist doch ein deutlicher Rückgang der Beichtenden von Jahr zu Jahr festzustellen. Ja, es ist deutlich eine Glaubenskrise zu verspüren, besonders bei den Jugendlichen und Männern, die nicht mehr so aktiv wie früher am Leben der Kirche teilnehmen.

 

Ja, hier in Flores neigt sich die Regenzeit dem Ende entgegen. Die Maisernte ist schon fast überall mit verschiedenen Ergebnissen eingebracht: Gute Ernte bis Missernte. So hoffen jetzt noch die Kleinbauern noch auf eine gute „Grüne Bohnen“ Ernte. Auch in Flores spüren wir deutlich die Folgen der Globalisierung und Erderwärmung. Unsere Pfarrkirche St. Josef Freinademetz, unmittelbar an der Nordküste (Floressee) gelegen, wird immer mehr durch die Brandung der Floresseee bedroht. Jedes Jahr rücken die Wellen den Grundmauern der Kirche näher. Immer mehr wird der Strand durch die Wellen (Erusionen) abgetragen. Wo früher noch die Kokosnussbäume den Strand umsäumten, sind sie jetzt fast alle umgefallen und ihre schwarzen Stümpfe spielen im Meer mit den Wogen.

 

Vor einigen Tagen gab die Lokalregierung von Maumere eine Tsunamiwarnung aus. Viele Küstenbewohner flüchteten in höher gelegene Orte. Ich selbst vertraute dem Schutzpatron unserer Pfarrkirche, dem Hl. Josef Freinademetz, der im Kirchturm treu Wache hält, mein leibliches Wohl an. Mit Erfolg – Falsche Prophetie!

 

Aber es gibt noch ein anderes Problem in meiner Pfarrei. Die Kirche und das Pfarrhaus liegen unmittelbar an der Hauptverkehrsstraße, die von Mittelostflores nach dem Osten der Insel Flores führt. Der Verkehr hat sich in den letzten Jahren wahnsinnig verstärkt. Am letzten Donnerstag machten wir eine Motorradzählung. Ergebnis: In der Zeit von 12 Stunden rasten mehr als 10.000 Motorräder von Ost nach West und umgekehrt vorbei. Vor allen Dingen, die Motorräder mit frisiertem Auspuff machen einen „Höllenlärm“. Diese sogenannten „Krachmacher“ stören erheblich die Gottesdienste und Andachten in der Kirche. Wenn ich zur Kirche will, muß ich ständig die Straße überqueren und warte oft einige Minuten, bis endlich der Weg frei wird. Abends gibt es immer einige Motorradfahrer die ohne Beleuchtung durch die Gegend rasen. Zwei mal hat mich schon unser Schutzpatron Josef Freinademetz vor einem tödlichen Unfall bewahrt. Aus diesen beiden Gründen ist die Zukunft unseres Pfarreizentrums in Bolawolon ernsthaft bedroht. Daher haben wir in einer Pfarrgemeinderatssitzung nach einer Lösung dieses Problems gesucht um die Zukunft unseres Pfarreizentrums Kirche und Pfarrhaus zu sichern. Es bietet sich zur Zeit eine einmalige Gelegenheit, 250 m von der Pfarrkirche landeinwärts entfernt, ein 4.578 qm großes Grundstück zu einem günstigen Preis von 500.000.000,-- Rp. zur Zeit ca. 35.000,-- € zu erwerben. Direkt neben diesem Grundstück besitzt die Pfarrgemeinde Bolawolon schon ein „kleines“ Grundstück von 2.300 qm. Beide Grundstücke zusammen ergeben somit 6.878 qm – groß genug um eine neue große Kirche und ein Pfarrhaus zu bauen. Daneben ist dann noch Platz für einen kleinen Sportplatz für die Kinder und Jugendliche der Pfarrei.

 

In einiger Zeit soll meine Pfarrgemeinde Bolawolon in die Hauptstadt Maumere eingegliedert werden, so dass die Grundstückspreise ständig steigen. Aus eigener Kraft kann die Pfarrei Bolawolon unmöglich diese große Summe aufbringen. Durch den Pfarrgemeinderat wurde jetzt beschlossen, dass die Familien der Kleinbauern montlich 30.000,-- Rp (ca. 2,-- €) beisteuern und die Familien von Beamten und Lehrern den Betrag von 50.000,--Rp.(ca.3,50€) aufbringen.

 

Nun, was soll dann später mit der Pfarreikirche Josef Freinademetz geschehen? Mit der Erlaubnis des Bischofs kann sie dann als Pfarrgemeindehalle genutzt werden, die bis heute der Pfarrei noch fehlt. Ich habe für dieses große Anliegen der Pfarrei ein eigenes Lied und Gebet zum Hl. Josef Freinademetz formuliert, was jetzt schon sonntäglich während der Hl. Messe gesungen und gebetet wird. Diese Aktion der Pfarrei trägt den biblischen Namen „Aktion gelobtes Land Pfarrei Bolawolon“, auf indonesisch GTTB genannt. Auf der Suche nach diesem Geld hoffen wir natürlich auf ein Wunder und Hilfe vom Hl. Josef Freinademetz.

 

Ich hoffe und wünsche, dass ich mit meinen mittlerweile 71 Jahren die Pfarrei in Bolawolon noch 2 Jahre betreuen kann. Der Kauf des Grundstücks soll für die Pfarrgemeinde ein wichtiger Schritt zu einer gemeinsamen, glücklichen Zukunft sein.

 

Am 29. Juni 2014 soll die kleine Filialkirche der Pfarrei in Natarloar, dessen Schutzpatron der  Hl. Paulus ist, vom Bischof Maumere eingeweiht werden. Die Renovierung dieser Kirche, vom Erdbeben in Flores (1992) erheblich beschädigt, der Bau eines kleinen Abstellraumes und einer Toilette, die Betonierung eines kleinen Kirchenplatzes und die Anlegung eines Volleyballspielplatzes wurde durch die großartige Sternsingeraktion 2014 ermöglicht. Die Gemeinde selbst hat die Kosten für die Handwerker übernommen. Für Eure Opferbereitschaft und den großartigen Einsatz der Ettelner Sternsinger ein herzliches vergelts Gott auch im Namen der Dorfgemeinschaft von Natarloar.

 

 

 

 

Nun zum Abschluß noch einige Informationen:

 

Der Bau unserer neuen Filialkirche im Dorf Blatat, dem Hl. Arnoldus Janssen geweiht, macht nicht die gewünschten Fortschritte. Das Kirchendach ist noch nicht aufgerichtet.

 

Dieses Jahr ist die Politik „König“ in Indonesien, wie letztes Jahr bei Euch in Deutschland. Heute am 9. April 2014 werden in ganz Indonesien die Volksvertreter der einzelnen Parteien gewählt. Dann am 9. Juli 2014 der Höhepunkt: Die Wahl des neuen Präsidenten von Indonesien – direkt vom Volk gewählt. Anders als in Deutschland bestimmt in Indonesien der Präsident in Absprache mit dem Parlament die Richtlinien der Politik. Hoffentlich gibt es eine Überraschung und einen neuen politischen Wandel zum Wohle des ganzen Volkes.

 

Nun wünsche ich Euch allen von Herzen einen schönen Frühling, die Freude und Kraft des Auferstandenen Herrn.

 

Immer mit Euch im Gebet und Hl. Meßopfer verbunden in Dankbarkeit

 

Euer Pater

 

Hans - Günther

 

 

 

 

Pfarrgemeinderat Etteln - Wir leben Glauben.

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